Ein wichtiger Schritt für die Gesundheitsversorgung

Mit der feierlichen Übergabe der neuen Krankenschwesternschule in Mongo Bendugu ist ein wichtiger Meilenstein für die Gesundheitsversorgung im Falaba District in Sierra Leone erreicht. Die Schule soll dringend benötigte Fachkräfte ausbilden und langfristig in der Region halten. Gleichzeitig läuft in der Community Tuba bereits das nächste Gesundheitsprojekt der Grünhelme an.

Von Joschka Blaich (Projektleiter Sierra Leone)

Mongo Bendugu, 29. September 2026 – Feierlich übergibt unser drittes Freiwilligenteam die Schlüssel der neuen Krankenschwesternschule an unsere Partner:innen im Falaba District. Die Freude ist groß. Ganz nach westafrikanischem Vorbild begleiten Trommelklänge und farbenfrohe Kleider die Übergabe. Ein würdevoller und zugleich fröhlicher Rahmen für diesen bedeutenden Meilenstein der Gesundheitsversorgung in der Region.

Die damit eröffnete Krankenschwesternschule ist weit mehr als ein neues Gebäude. Hier sollen dringend benötigte Fachkräfte ausgebildet und langfristig im Distrikt gehalten werden.

Warum die Krankenschwesternschule so wichtig ist

In Sierra Leone gibt es weiterhin eine sehr hohe Säuglings- und Müttersterblichkeit. Besonders groß ist dieses Problem in ländlichen Regionen wie dem Falaba District.

Eine schwache Infrastruktur verschärft die ohnehin schwierige gesundheitliche Versorgung in dieser Region. Ein Distriktkrankenhaus fehlt bis heute. Komplizierte medizinische Fälle müssen deshalb außerhalb des Distrikts behandelt werden. Dabei erschweren die großen Entfernungen zwischen den einzelnen Gemeinden und den vorhandenen Gesundheitseinrichtungen den Zugang zu medizinischer Versorgung zusätzlich.

Im Falaba District gibt es insgesamt 50 periphere Gesundheitseinrichtungen. Dabei handelt es sich um kleinere lokale Gesundheitsstationen, die die medizinische Grundversorgung in den Gemeinden sicherstellen. Im Unterschied zu einem Distriktkrankenhaus können sie komplizierte medizinische Fälle jedoch nicht umfassend behandeln. Viele der Zentren sind personell stark unterbesetzt, und das wenige Personal arbeitet unter schwierigen Bedingungen. Besonders groß ist der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal und Fachkräften für die Mutter-Kind-Gesundheit. Gerade schwangere Frauen und stillende Mütter erhalten dadurch häufig nicht rechtzeitig die notwendige medizinische Hilfe.

Gesundheitsstationen brauchen Personal

Vier der 50 Gesundheitsstationen haben wir als Grünhelme bereits als sogenannte Community-Projekte umgesetzt. Eine weitere Einrichtung entsteht derzeit in der Community Tuba.

Unser Ansatz bei solchen Community-Projekten umfasst neben dem Bau des Gesundheitseinrichtungsgebäudes immer auch eine neue Unterkunft für das Pflegepersonal. Damit wird ein möglichst großer Anreiz dafür geschaffen, die fertigen Einrichtungen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen.

Denn die Bedingungen vor Ort machen die Arbeit für medizinisches Personal nicht einfach. Fließendes Wasser gibt es beispielsweise in den ländlichen Regionen eher selten. Eine Dusche und eine Toilette mit fließendem Wasser können im Vergleich zu den sanitären Anlagen der Dorfgemeinschaft daher bereits einen großen Unterschied machen. Dennoch sind die Anreize für eine ausgebildete Krankenschwester, die Vorzüge des Stadtlebens hinter sich zu lassen und in einer kleinen, abgelegenen Community zu arbeiten, begrenzt.

Wer sich dafür entscheidet, muss bereit sein, weit entfernt von der eigenen Familie sowie abseits befestigter Straßen zu leben und zu arbeiten und oftmals ohne stabile Internetverbindung auszukommen. Genau hier setzt die Krankenschwesternschule an.

Die Idee ist, vor allem Menschen aus dem Falaba District auszubilden, die bereits mit dem ländlichen Leben vertraut und in der Region zu Hause sind. Nach ihrer Ausbildung sollen sie in den Gesundheitsstationen ihrer Heimatregion arbeiten. So schafft die Schule die Voraussetzung dafür, dringend benötigtes medizinisches Personal direkt vor Ort auszubilden und langfristig im Distrikt zu halten.

Bestehende Gesundheitsstation in Tuba

Ausbildung schafft Perspektiven

Die Schlüsselübergabe ist deshalb weit mehr als die Eröffnung eines Gebäudes. Sie ist ein wichtiger Schritt hin zu einer besser erreichbaren und nachhaltigeren Gesundheitsversorgung im Falaba District.

Gleichzeitig eröffnet die Schule jungen Menschen aus dem District die Möglichkeit, sich in einer abgelegenen Region beruflich weiterzubilden. Ihr Wissen und ihre Arbeitskraft kommen dann genau dort zum Einsatz, wo medizinisches Personal so dringend benötigt wird: in den ländlichen Gemeinden des Distrikts.

Darin liegt das große Potenzial des Konzepts, das im Falaba District gut ankommt: Bereits seit Anfang dieses Jahres steht fest, dass die Grünhelme auf Wunsch von Danielle Lavalie, Health Officer des Districts, nach erfolgreichem Abschluss der Krankenschwesternschule ein weiteres Gesundheitsprojekt gemeinsam umsetzen werden.

Das nächste Projekt: Tuba

Tuba ist eine kleine Community, die – abhängig von Wetterlage und Straßenverhältnissen – etwa zwei Stunden von Mongo Bendugu entfernt liegt. Hier entsteht die nächste periphere Gesundheitsstation. Damit es mit dem Bau losgehen konnte, mussten jedoch erst einmal Team und Material nach Tuba umziehen. Dieser Umzug fiel genau in die Regenzeit, und die dadurch sehr schlechten Straßenverhältnisse setzten selbst unserem treuen Land Cruiser ordentlich zu. Aus zwei Stunden Fahrt wurden auf den aufgeweichten Straßen schnell einmal vier. Am Ende war es aber doch geschafft. „No problem“, heißt es vor Ort so schön – auch wenn nicht immer alles so läuft wie geplant.

So ist inzwischen das gesamte Equipmentin Tuba angekommen und das Teamhaus eingerichtet. Auch unser neues, motiviertes Team ist schon vor Ort, und seine Fortschritte sind bereits deutlich sichtbar.

Nach nur drei Wochen sind die Fundamente für beide Gebäude – die künftige Gesundheitsstation und die Unterkunft für die Krankenpflegerinnen – gegossen. Die Bauten sind bereits bis auf die Sockelmauern hochgemauert. Außerdem sind Unterstände für die Steinproduktion errichtet und die ersten Dachbinder zusammengenagelt.

Gemeinsam für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung

All das ist nur dank der Unterstützung der Mitarbeitenden vor Ort und der Freiwilligen möglich.

Lars, Peter, Jules, Phillip, Henrike und Patrick haben in den vergangenen neun Monaten mit viel Engagement und Elan an den beiden Projekten mitgearbeitet. Gemeinsam konnten sie einen kleinen, aber wichtigen Beitrag dazu leisten, die Gesundheitsversorgung im Falaba District nachhaltig zu verbessern.

Während in Mongo Bendugu nun also die Schlüssel in neue Hände übergeben sind, geht die Arbeit in Tuba fleißig weiter.

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