Die Secondary School in Malawi ist fertiggestellt

Als Teil des letzten Freiwilligen‑Teams war Vincenz bei der Fertigstellung der neuen Secondary School in Kalanga dabei. Er erzählt, was ihm dabei im Alltag zwischen Verantwortung, Gemeinschaft und echtem Lernen begegnet ist – und weshalb die Schule für die Region so wichtig ist.

Von Vincenz Egner

Bonn, 16.08.2026Nach meiner Ausbildung zum Schreiner war für mich schnell klar, dass ich gerne Arbeitserfahrung im Ausland sammeln möchte. Mir ist bewusst, dass nur wenige Menschen das Glück haben, in einem Land wie Deutschland aufzuwachsen, das so viel Wohlstand, Freiheit und Möglichkeiten bietet. Deshalb wollte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten, Menschen zu unterstützen, die nicht dieselben Chancen haben.

Dabei war mir wichtig, Entwicklungszusammenarbeit als gegenseitigen Austausch zu verstehen: nicht Wissen mitbringen, weitergeben und wieder abreisen, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort arbeiten, Erfahrungen austauschen und voneinander lernen – fachlich, kulturell und vor allem menschlich.

Auf der Suche nach einem passenden Freiwilligenprojekt bin ich über Bekannte auf die Grünhelme aufmerksam geworden und nahm am Bewerber*innentreffen teil. Die Projekte wirkten durchdacht, nachhaltig und bodenständig. Es geht nicht um kurzfristige Hilfe oder schöne Fotos für Social Media, sondern darum, gemeinsam mit den Menschen vor Ort langfristig etwas aufzubauen. Genau diese Herangehensweise hat mich beeindruckt. Gleichzeitig hatte ich großen Respekt vor dem Einsatz – schließlich wusste ich, dass mich drei Monate außerhalb meiner Komfortzone erwarten würden.

Nach einigen Wochen Vorbereitung ging es Anfang April endlich los.

Vorfreude? Riesig. Motivation? Ebenfalls. Respekt vor dem Unbekannten? Auf jeden Fall. Man weiß natürlich nie so genau, was einen erwartet. Aber ich wollte alles richtig machen und die Verantwortung ernst nehmen – schließlich war die Idee, als letztes Freiwilligen-Team die Baustelle erfolgreich abzuschließen.

Schon die ersten Tage in Blantyre waren überwältigend: Verkehr, Gerüche, Märkte, Menschen – innerhalb weniger Stunden taucht man in eine Welt ein, die sich kaum stärker vom Alltag in Deutschland unterscheiden könnte.

Mit dem Land Cruiser ging es anschließend weiter nach Kalanga – von der Großstadt rein ins ländliche Malawi. Einerseits begegnet einem überall große Armut. Andererseits eine Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie ich sie selten erlebt habe.

Das bekamen wir schon bei unserer Ankunft im Dorf zu spüren. Wir haben uns im Flussbett festgefahren – etwas bitter 500 m vor dem Ziel. Es war bereits stockdunkel, doch innerhalb kürzester Zeit half gefühlt das ganze Dorf mit, den Wagen wieder aus dem Dreck zu ziehen. Diese Hilfsbereitschaft begleitete uns während der gesamten drei Monate.

Verantwortung auf der Baustelle

Am Montag begann die Arbeit auf der Baustelle. Wir begleiteten die letzte Bauphase der neuen Secondary School inklusive Lehrerunterkünften. Nach einer kurzen Übergabe durch unseren Projektleiter Lennart übernahmen wir die Verantwortung für eine Baustelle mit 23 Arbeiter*innen – und das in einem Land, dessen Sprache wir nicht beherrschten. Doch mit Englisch konnte man sich verständigen, und man wächst schnell in seinen Job rein.

Zu unseren Aufgaben gehörte die Organisation der täglichen Arbeiten, die Kontrolle der Bauqualität, die Koordination von Materialtransporten, die Zusammenarbeit mit der Community, das Lösen kleiner und großer Probleme, sowie Wochenberichte, Lohnauszahlungen, Kassenführung und vieles mehr. Und natürlich: selbst kräftig mit anpacken.

Für mich als Schreiner war es ein Glücksfall, dass im letzten Bauabschnitt noch viele Holzarbeiten anfielen: kleine Dächer für die Toilettenhäuser, Türen anpassen und einsetzen sowie den Bau von Regalen, Tischen und Hockern für die Bibliothek anleiten. Es war schön, mein handwerkliches Wissen weiterzugeben – gleichzeitig habe ich mindestens genauso viel von den Leuten vor Ort gelernt. Am Ende geht’s ja auch genau darum: zusammenarbeiten und voneinander lernen.

Alltag, Gemeinschaft und ein Musikvideo

Der Tagesablauf war klar strukturiert: Um neun Uhr gab es eine halbe Stunde Tea Time und mittags eine Stunde Lunch – dazu heiße Runden bei Brettspielen wie Bao und Draft. In Wochen mit Temperaturen um 38 Grad und brennender Sonne war in der Mittagspause auch mal ein kleiner Powernap drin.

Meine Teampartnerin Lena und ich haben Pausen und die Zeit kurz nach Feierabend teilweise dazu genutzt, ein Musikvideo für unseren Baustellen-Kollegen und Newcomer-Artist Wonder zu drehen. Der Dreh gehört zu den Erinnerungen, die ich neben der Arbeit auf der Baustelle sicherlich niemals vergessen werde.

Mit der Zeit wurden wir immer mehr Teil der Dorfgemeinschaft. Wir feierten gemeinsam Lenas Geburtstag, besuchten Fußballspiele und spielten selbst mit – fuchsteufelswilde Spiele mit hohem Anteil an Kopfbällen und Fallrückziehern und Freudentänzen bei errungenen Siegen.

Auch bei abendlichen Bar-Besuchen haben wir viele Leute kennengelernt und interessante Gespräche über Gott und die Welt geführt. Dabei bekommt man einen Einblick in Leben, die sich kaum mehr vom eigenen unterscheiden könnten.

Das einfache Leben in unserem kleinen Häuschen wurde schnell zu einem Zuhause. Mit einem Loch im Boden als Klo, einem Eimer Wasser als Dusche, einem Gaskocher, dünnen Matratzen auf dem Boden und wenig Komfort lebten wir im Vergleich zu Deutschland sehr einfach und hatten damit aber immer noch deutlich mehr als die meisten Menschen um uns herum.

Besonders ans Herz gewachsen ist uns unsere Nachbarschaft. Fast täglich standen einige Kinder vor unserer Tür. Zwar konnten die kleinen Bengel einem ab und zu auch den letzten Nerv rauben – die meiste Zeit hatten wir aber einfach viel Spaß zusammen. Wir haben gespielt, getanzt oder einfach Quatsch gemacht und gelacht.

Warum die neue Schule so wichtig ist

Die neue Secondary School ist für Kalanga weit mehr als nur ein neues Gebäude. Die Primary School verlassen jedes Jahr rund 300 Kinder. Bisher gab es jedoch keine weiterführende Schule im Ort. Die nächste befindet sich etwa zwölf Kilometer entfernt in Thambani und hat nur Platz für ungefähr 90 Schüler*innen pro Jahr. Für viele Kinder endete die Schullaufbahn deshalb nach der Grundschule – entweder wegen des langen Schulweges oder weil schlicht die Kapazitäten fehlten. Die neue Schule soll diese Lücke schließen und eröffnet künftig deutlich mehr Jugendlichen die Chance auf Bildung und damit auf bessere Zukunftsperspektiven. Mit einer großen Feier wurde die Secondary School offiziell eröffnet und übergeben. Der Bildungsminister Malawis, die Distriktministerin und weitere Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung waren zu Gast. Für die Community war es ein bedeutender Moment, der gezeigt hat, wie wichtig das Projekt für die Region ist.

Abschied und Ausblick

Die Zeit ist rasend schnell vorangeschritten, und als unsere Zeit zu Ende ging, fiel der Abschied schwer. Auch für unsere Kolleg*innen und mittlerweile Freunde auf der Baustelle bedeutete dies das Ende ihres festen Arbeitsplatzes. Viele erzählten uns, dass sie anschließend nach Mosambik oder Südafrika gehen möchten, um dort Arbeit zu finden. In Malawi, besonders in ländlichen Regionen wie Kalanga, gibt es nur wenige Möglichkeiten für ein regelmäßiges Einkommen. Gleichzeitig waren alle unglaublich stolz auf das, was gemeinsam entstanden war, und dankbar für die Zeit auf der Baustelle.

Zur letzten Mittagspause spendierten wir ein ausführliches Essen und feierten unseren Abschied gemeinsam im Dorf. Von vielen Menschen Abschied zu nehmen, die uns in diesen drei Monaten ans Herz gewachsen waren, war nicht leicht. Mit einigen von ihnen habe ich glücklicherweise bis heute über WhatsApp Kontakt.

Für mich persönlich gehört der Einsatz in Malawi zu den prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Natürlich weiß man theoretisch, dass unser Lebensstandard in Deutschland weltweit eher die Ausnahme als die Regel ist. Aber zwischen einem Zeitungsartikel, einer Dokumentation oder einem Instagram-Beitrag und dem eigenen Erleben liegen Welten. Erst wenn man den Alltag vor Ort miterlebt, wird einem bewusst, wie ungleich Wohlstand und Chancen weltweit verteilt sind.

Genau deshalb halte ich Entwicklungszusammenarbeit für so wichtig. Nicht weil dadurch alle Probleme gelöst werden, sondern weil jeder einzelne Beitrag zählt.
Wenn wir die Möglichkeit haben, gemeinsam mit Menschen vor Ort etwas aufzubauen und voneinander zu lernen, dann sollten wir diese Chance nutzen.

Weitere Fotos aus Kalanga:

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2026-08-16T21:02:20+02:00

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