Seit Anfang des Jahres arbeiten wir an der Erweiterung der Kefah-Schule in der tschadisch-sudanesischen Grenzstadt Tiné. Gleichzeitig intensivieren sich die Kampfhandlungen, und immer mehr Geflüchtete kommen in den Ort.

Von Simon Bethlehem
Bonn, 29. März 2026 – Als wir vor rund einem Jahr das erste Mal nach Tiné/Tschad kamen, war noch alles ruhig und der sudanesische Bürgerkrieg viele hundert Kilometer entfernt. Die Kefah-Schule, bereits seit 2004 vom deutschen Verein Darfur-Hilfe e.V. in Tiné/Tschad aufgebaut und stetig erweitert, unterrichtete rund 1.200 Kinder, die im Kontext des Darfur-Konflikts über die Grenze geflüchtet oder als Flüchtlingskinder hier aufgewachsen sind. Jeden Tag kamen ein paar wenige neue Geflüchtete über die Grenze, die registriert und auf die umliegenden Camps weiterverteilt wurden.
In diesem Kontext planten wir dann sorgfältig das Bauvorhaben: sechs neue Klassenzimmer, dazu zwei Räume für einen Kindergarten, ein Direktorenzimmer und neue Sanitäranlagen. Die Erweiterung der Kefah-Schule ist nötig, da sich damals schon 80 oder mehr Kinder in einen Klassenraum zwängen mussten und die neuen Räume die Unterrichtsbedingungen verbessern sollten. Unser Partner, die Darfur-Hilfe, wollte zudem neue Schulmöbel zum Projekt beisteuern.
Verschärfte Bedingungen
Seit im November die Hauptstadt der sudanesischen Provinz Nord-Darfur von den Rebellen der Rapid Support Forces (RSF) nach 18-monatiger Belagerung brutal eingenommen wurde, sind immer mehr Menschen über die Grenze nach Tiné geflohen. Es sind vor allem Angehörige der Zaghawa-Volksgruppe, die historisch auf beiden Seiten der Grenze ihren Lebensraum hat. Aber auch andere Volksgruppen aus dem Sudan oder Drittstaatler, die für Arbeit in den Sudan migriert waren, sind unter den Neuankömmlingen. Längst ist eine Verteilung auf die umliegenden Camps nicht mehr möglich. Mittlerweile werden nur noch Plastikplanen ausgegeben, mit denen sich die Menschen vor der Sonne schützen können und sich am Ortsrand niederlassen.
Die Kefah-Schule hat seitdem weitere 400 Kinder aufgenommen. In den Klassenzimmern geht es nun noch enger zu. Doch was ist die Alternative? Schulleiter Adam Bichara Fadul Bongi möchte niemanden ausschließen. Die Schule gibt den neu angekommenen Kindern häufig auch eine Art Halt und Struktur für den Tag. Andernfalls würden sie auf der Straße sitzen.
Der Krieg kommt näher
In diesen Wochen ist der Krieg nun ganz nah gekommen: Die Schwesterstadt Tiné/Sudan, auf der anderen Seite der Grenze, ist einer der letzten Orte in der Provinz Nord-Darfur, die noch von den sudanesischen Regierungstruppen gehalten wird. Mit bewaffneten Drohnen und Bodenoffensiven versuchen die Rebellen der RSF den Ort immer wieder einzunehmen, um den strategisch so wichtigen Grenzübergang unter ihre Kontrolle zu bringen. Bisher konnten die Angriffe auf Tiné/Sudan aber zurückgeschlagen werden.
Am 19. März schlug dann eine Drohne auf tschadischer Seite ein und tötete 17 Menschen in Tiné/Tschad, die an einer Trauerfeier teilnahmen. Schon zuvor gab es nördlich von Tiné vereinzelt Grenzübertritte der RSF auf tschadisches Territorium, bei denen es zu Zusammenstößen mit dem tschadischen Militär kam und auch tschadische Soldaten getötet wurden. Als Reaktion hat die tschadische Regierung nun die Grenze gesperrt und tausende zusätzliche Soldaten ins Grenzgebiet beordert, auch nach Tiné. Die Maßnahme soll die Sicherheit der Menschen im Tschad verstärken, nimmt aber zugleich den Verzweifelten in Darfur die letzte Fluchtmöglichkeit ins Ausland.
Die Arbeit auf der Baustelle
Was können wir als Grünhelme in dieser sicherheitstechnisch und humanitär angespannten Lage tun? Weiterarbeiten, um zumindest den Schulalltag aufrechtzuerhalten und ihn für möglichst viele Kinder auch künftig zu ermöglichen.
Mit einem kleinen Team aus zehn Mitarbeitern um unseren Projektleiter Tobias Lange arbeiten wir auf dem Schulgelände, während der Unterricht parallel in den bestehenden 17 Klassenräumen weiterläuft. Die Fundamente für die neuen Räume sind gegossen, und auch die Wände aus Zementhohlblocksteinen der ersten zwei neuen Klassenräume stehen bereits. Bis Juli sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
Unsere lokalen Mitarbeiter klotzen ordentlich ran. Alusain, einer unserer Maurer, ist selbst Geflüchteter. Als nigerianischer Arbeitsmigrant war er im Sudan, als der Bürgerkrieg ausbrach, und ist nun auch in Tiné gelandet. Hier ist er froh, wieder Arbeit gefunden zu haben, macht sich aber auch Sorgen wegen der Sicherheit. Sein Freund Ali hat uns und Tiné bereits verlassen, weil ihm die Situation zu gefährlich wurde. Andere unserer Mitarbeiter haben selbst Kinder, die die Kefah-Schule besuchen, und sind deshalb besonders motiviert – auch während des Fastenmonats Ramadan wurde bei über 30 Grad weitergearbeitet.
Weitere Projekte in Planung
Die Kefah-Schule soll nicht unser letztes Projekt in der Region sein. In dieser so schwierigen Region halten wir es für wichtig, präsent zu sein und den Menschen zu zeigen, dass sie Unterstützung bekommen und nicht vergessen werden. In den nächsten Wochen halten wir die Augen offen, wie wir zusätzlich unterstützen können – im Bereich Bildung, im Gesundheitswesen oder bei der Versorgung der Geflüchteten. Dafür sind wir für jede Hilfe dankbar.








