Jedes Jahr engagieren sich zahlreiche Freiwillige für die Grünhelme. Im Jahr 2025 waren 26 Ehrenamtliche in unseren Projekten im Einsatz. Wir haben fünf von Ihnen zu Ihren Erfahrungen befragt und selbst zu Wort kommen lassen.

Von Grünhelme
Bonn, 06. Februar 2026 – Vielen Dank für eure spannenden Einblicke in eure Arbeit!
Carina Bürger
Die Energie und Stärke der Frauen im Dorf haben mich tief beeindruckt – sie waren unverzichtbar für das Leben im Dorf und unser Schulbauprojekt.
Einsatz: Malawi · Schulbauprojekt · 3 Monate (Anfang 2024)
Beruf: Bauzeichnerin & Architekturabsolventin
Gemeinsam mit Marius, einem Schreinermeister, war ich im Einsatz, um das Projekt planerisch und handwerklich zu unterstützen – eine Zusammenarbeit, die sehr gut funktionierte und mir viel Freude bereitet hat.
Trotz aller kultureller Unterschiede hat sich unser Alltag dort überraschend schnell eingespielt. Die Offenheit und Herzlichkeit des Teams sowie der Dorfbewohner*innen machten es uns leicht, uns willkommen zu fühlen. So entstand ein Gefühl von Zuhause, inmitten einer ganz anderen Welt.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die kreative Herangehensweise der Dorfbewohner*innen, denn aus den einfachsten Mitteln wurden immer funktionierende Lösungen entwickelt. Ob beim Beobachten der Kinder, die ihre Spielzeuge selbst bauten oder bei der gemeinsamen Arbeit mit unserem Team auf der Baustelle – sei es bei Reparaturen oder wenn etwas anders verlief als ursprünglich geplant. Auch die Frauen im Dorf haben mich beeindruckt. Ihre Energie und Stärke, mit der sie täglich enorme Leistungen erbrachten, haben mich berührt. Sie waren so wichtig für das Dorf und unser Schulbauprojekt.
Die drei Monate haben mich nachhaltig geprägt. Sie haben mir verdeutlicht, wie sehr wir in Europa im Überfluss leben und wie selbstverständlich wir Dinge wie fließendes Wasser oder Strom hinnehmen, ohne uns ihres Luxus bewusst zu sein. Für mich war es eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. In der Einfachheit dort habe ich eine Natürlichkeit gespürt, die uns hier oft verloren geht.
Diese Erfahrung hat mich dazu bewegt, beruflich eine neue Richtung einzuschlagen. Ich habe nach meiner Rückkehr einen Fernlehrgang zur Baubiologin begonnen – mit dem Ziel, gesünderes und nachhaltigeres Wohnen zu ermöglichen. Ich möchte die Verbindung zur Natur, die ich in Malawi so erlebt habe, auch in unsere gebaute Umwelt zurückbringen – durch nachhaltige Architektur mit gesunden und natürlichen Materialien. Für diese Erfahrung bin ich den Grünhelmen sehr dankbar und kann nur jedem ans Herz legen, sich in dieses Abenteuer zu stürzen.
Rebekka Gödrich
Zwei Wochen nach der Fertigstellung waren dort bereits zwölf gesunde Babys zur Welt gekommen.
Einsatz: Sierra Leone · Gesundheitsstationen · 3 Monate (Ende 2022)
Beruf: Schreinerin
Als Schreinerin durfte ich an zwei Gesundheitsstationen mitwirken. Eine Station wurde fertiggestellt, bei der zweiten begann während meines Einsatzes der Bau. Beide Projekte empfand ich als besonders sinnstiftend, da sie einen direkten Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung leisten.
Aufmerksam geworden auf den Einsatz bin ich durch einen anderen Freiwilligen. Nach meiner Ausbildung suchte ich nach einer Möglichkeit, mich sinnvoll zu engagieren und gleichzeitig Orientierung für meinen weiteren beruflichen Weg zu finden. Die Arbeit mit den Grünhelmen bot mir genau diese Chance.
Besonders geprägt hat mich die Rückkehr rund zwei Wochen nach der Fertigstellung der ersten Entbindungsstation. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwölf gesunde Babys dort zur Welt gekommen – daran muss ich noch oft denken.
Ein wichtiger Hintergrund ist die weiterhin hohe Kinder- und Müttersterblichkeit im Land. Vor diesem ernsten Kontext war das Erleben der gesunden Neugeborenen umso bedeutsamer. Gleichzeitig war diese Zeit auch emotional herausfordernd, da ich im Projekt eine Frau kennenlernte, deren Baby nicht überlebt hat. Diese Situation erklärt unter anderem die kulturelle Praxis, dass Neugeborene erst zum ersten Geburtstag, dem sogenannten Namensfest, einen Namen erhalten. Bis dahin werden sie als „Baby“ bezeichnet.
Die Erfahrungen in Sierra Leone haben meine Sicht auf die Welt nachhaltig verändert. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, mein Architekturstudium in Mainz zu beginnen, mit dem Ziel, meine Fähigkeiten künftig im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit oder in sozialen Projekten einzusetzen.
Marius Balle
Manchmal reichten Blicke – obwohl wir keine gemeinsame Sprache hatten.
Einsatz: Malawi · Schulbauprojekt · 4 Monate (Anfang 2024)
Beruf: Schreinermeister
Nach meinem Abschluss an der Meisterschule war dies für mich der ideale Zeitpunkt, meine beruflichen Fähigkeiten sinnvoll und wirkungsvoll einzusetzen.
Rückblickend haben mich viele unterschiedliche Erfahrungen geprägt -auch die scheinbar kleinen Momente auf der Baustelle und im Alltag.
Besonders bemerkenswert waren die wortlosen Momente mit einem Freiwilligen namens Chewewa. Obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprachen, reichten oftmals Blicke aus, um unser gegenseitiges Verständnis für die Arbeit zum Ausdruck zu bringen.
Zudem erinnere ich mich an die typische Baustellenatmosphäre, die anscheinend überall auf der Welt gleich ist: Blödeleien und Scherze gibt es überall. Das schuf ein schönes Gefühl der Verbundenheit und des Teamgeists mit den Freiwilligen und Mitarbeitenden vor Ort.
Unvergesslich bleibt für mich auch der beeindruckende Einsatz der Frauen im Dorf. Mit einem Baby auf dem Rücken brachten sie 40 Liter Wasser zur Baustelle – eine enorme Leistung und große Unterstützung.
Interessanterweise fiel mir die Umstellung von Deutschland nach Malawi leichter als die Rückkehr in mein gewohntes Umfeld. Diese Erfahrung hat mich auch persönlich weitergebracht: Ich achte heute bewusster darauf, was mir wirklich wichtig ist, lasse mich weniger aus der Ruhe bringen und gehe entspannter mit Herausforderungen um. Mein Leben ist seitdem insgesamt reduzierter und bewusster.
Julia Metzdorf
Drei intensive Monate in einer völlig anderen Umgebung liegen vor mir – und ich freue mich sehr darauf.
Einsatz: Sierra Leone · Ausbildungsschule für Pflegekräfte · 3 Monate (ab Februar 2026)
Beruf: Zimmerin
Ich habe schon länger den Wunsch, außerhalb Europas unterwegs zu sein und dabei in einen kulturellen Austausch zu treten. Über einen Bekannten wurde mir vor einigen Jahren von den Grünhelmen berichtet, wodurch der Gedanke an einen Einsatz immer konkreter wurde: Im Februar werde ich am Bau einer Ausbildungsschule für Pflegekräfte mitwirken. In den vergangenen Jahren sind in der Region bereits Gesundheitszentren entstanden, die durch die Grünhelme realisiert wurden.
Der ergänzende Bau des Ausbildungszentrums erscheint mir als eine nachhaltige Lösung zur Verbesserung der Infrastruktur vor Ort. Ich freue mich sehr, Teil dieses Projekts zu sein,die Menschen vor Ort kennenzulernen und meine beruflichen Fähigkeiten sinnstiftend einzubringen.
Ob sich meine Sicht auf die Welt verändern wird? Davon gehe ich aus, da drei intensive und prägende Monate in einer Umgebung vor mir liegen, die deutlich von dem abweicht, was ich bislang gewohnt bin. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass ich voller spannender Erwartungen auf meinen Einsatz blicke.
Felix Herbert
Die Eigenmotivation aller Beteiligten und die Freude an der Arbeit haben sich gegenseitig angesteckt.
Einsatz: Sierra Leone · Gesundheitsstation · 3 Monate (2022) und Malawi · Schulbauprojekt · 3 Monate (Anfang 2026)
Beruf: Industriemechaniker & Maschinenbautechniker
Ich stehe kurz vor meinem zweiten Einsatz und blicke gleichzeitig auf meinen ersten Einsatz zurück. Meine damals anfängliche Sorge, wie eine gemeinsame Baustelle mit vielen Beteiligten trotz kultureller Unterschiede funktioniert, hat sich nicht bestätigt. Die Eigenmotivation aller Beteiligten und die Freude an der Arbeit haben sich gegenseitig angesteckt, sodass die Baustelle gut entwickelte.
Während der Bauarbeiten baute Kumba, die zukünftige Leiterin der Gesundheitsstation, bereits ein Vertrauensverhältnis zu den Dorfbewohner*innen auf. Viele hatten bislang kaum Zugang zu medizinischer Versorgung und vertrauten auf traditionelle Heilmethoden. Mir wurde in dieser Zeit bewusst, welche gravierenden Folgen fehlende medizinische Infrastruktur haben kann – und wie wichtig die Gesundheitsstation für das Dorf sein würde. Umso eindrücklicher war für mich die Begegnung mit einer hochschwangeren Frau, die sich darauf freute, in der neuen Gesundheitsstation entbinden zu können.
Diese erste Einsatz hat mich nachhaltig geprägt. Ich freue mich darauf, den nächsten Einsatz in Malawi. Besonders beeindruckt mich, wie viel die Grünhelme erreichen können. Mehr als 96 Prozent der Spendeneinnahmen fließen direkt in die Projektarbeit.
Wir, die Grünhelme, sind dankbar für all die Freiwilligen, die sich bisher engagiert haben, und freuen uns auf die Begegnungen, die uns dieses und die nächsten Jahre erwarten werden. Falls wir euer Interesse geweckt haben, dann bewerbt euch jetzt online.
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