Alle Jahre wieder, so singen wir in diesen Tagen. Die Weihnachtszeit ist für viele eine Zeit des Herunterkommens, des Entschleunigens, eine Zeit der Besinnung auf das Wesentliche – gerne im Kreis der Familie, der Liebsten und Teuersten. Wie sonst sollte man diese dunklen Tage verbringen, wenn nicht mit etwas Licht am Christbaum, einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und der freudigen Vorbereitung auf das Silvesterfest und das neue Jahr?

Von Grünhelme
Bonn, 04. Januar 2026 – Gerade in diesen Tagen verzichten neun freiwillige Grünhelme auf diese gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden. Im Gegensatz zu den meisten, die zu Hause dem Weihnachtsgebäck frönen und über Wunder sinnieren, besinnen sie sich auf das Wesentliche: Sie arbeiten an einer anderen, ziemlich wichtigen Vorbereitung auf das neue Jahr – einem neuen Jahr auf der Hochsee.
Denn schon das zweite Jahr in Folge kooperieren die Grünhelme mit der Seenotrettungsorganisation RESQSHIP e.V. und arbeiten auf dem Motorsegler Nadir, um ihn wieder hochseetauglich zu machen. Während im Mittelmeer die Winterstürme toben und in Kirchen nah und fern von einer gerechteren Welt gesungen wird, arbeiten die Freiwilligen ganz konkret an ihr. So wird der Motor gewartet, die Bootshülle entrostet, der Rumpf verstärkt, die Tanks inspiziert, der Innenausbau renoviert. Zwar wurden ähnliche Prozeduren bereits vor einem Jahr durchgeführt, doch die Arbeit auf dem Meer stellt schlichtweg eine enorme Belastung für das Material dar. Diese Belastungsprobe blieb jedoch nicht ohne Früchte: Seit der letzten Werftzeit im Dezember/Januar 2024/25 hat RESQSHIP mit der Nadir 1.855 Menschen aus akuter Seenot gerettet – obwohl das Schiff zwischen den Einsätzen zweimal durch die italienische Küstenwache festgesetzt wurde.
In diesen Tagen rund um Weihnachten stellt sich also nicht die Frage, was wir tun können, um Weihnachtswunder zu erleben und die Welt ein wenig gerechter zu machen, sondern warum Europa sich entscheidet, diese aktiv zu verhindern. Denn wo, wenn nicht vor unserer „Haustür“, sollten wir den Menschen nahe sein, sie vor Seenot und sicherem Tod bewahren? Wer, wenn nicht die Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, kann uns lehren, wieder mit Hoffnung in die Zukunft zu schauen?
So fragen wir: Alle Jahre wieder? Wir denken, dass auch im kommenden Winter eine Werftzeit anstehen wird, und wir gerne dabei sein werden. Du auch?










