Die Region Darfur im Sudan ist einer der Brennpunkte der Welt: Massive Gewalt, Flucht und Vertreibung sind hier an der Tagesordnung. Viele Menschen fliehen deshalb ins Nachbarland Tschad. Dort unterstützen wir jetzt eine Schule.

Von Simon Bethlehem
Bonn, 18. November 2025 – In diesen Tagen hat es einer der blutigsten Konflikte des 21. Jahrhunderts zumindest mal in die deutschen Nachrichten geschafft. Nach 18-monatiger Belagerung wurde Al-Fashir, die Hauptstadt der Provinz Nord-Darfur, von den Rapid Support Forces (RSF) eingenommen. Massenerschießungen, Vergewaltigungen, Folter und Vertreibung: Es droht ein Völkermord, hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.
Dabei ist all dies nicht neu: Im vergangenen Jahr ist Ähnliches bereits in Al-Geneina, der Hauptstadt der Provinz West-Darfur, geschehen. Im April wurde dann das Geflüchtetenlager Zamzam nahe Al-Fashir angegriffen und systematisch zerstört.
Trotzdem spielt der Darfur-Konflikt mit seinen Millionen Opfern in der mitteleuropäischen Wahrnehmung kaum eine Rolle: zu kompliziert, zu weit weg, zu wenige direkte Auswirkungen auf Europa.
Gemeinsam mit dem Verein Darfur-Hilfe, die bereits seit über 20 Jahren in der Region aktiv sind, starten wir nun ein Projekt für geflüchtete Kinder in der tschadisch-sudanesischen Grenzstadt Tiné: die Erweiterung einer Schule.
Ein Konflikt mit langer Geschichte
Darfur war 2003/2004 schon einmal prominent in den Medien. Der damalige sudanesische Präsident Omar al-Bashir hatte nach jahrelangen Spannungen die berüchtigten arabischen Reitermilizen Dschandschawid bewaffnet und auf die Dörfer der schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppen gehetzt. Sie mordeten, vergewaltigten, plünderten und brannten wahllos nieder. Auch damals war von einem Völkermord die Rede. Al-Bashir wurde zwar vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt, musste sich jedoch nie vor dem Gericht verantworten, da er vom Sudan nicht ausgeliefert worden ist.
Auch die entsandten internationalen Friedenstruppen konnten den Konflikt nicht befrieden. Bei ihm geht es im Kern um die systemische Vernachlässigung der Peripherie, Landstreitigkeiten und Bodenschätze. Die sudanesische Regierung ethnitisierte den Konflikt zudem als Kampf zwischen arabischen Nomaden und schwarzafrikanischen Bauern.
Als al-Bashir 2019 gestürzt wurde und kurzzeitig eine demokratische Regierung im Amt war, gab es für Darfur eine zarte Hoffnung auf Lösung des Konfliktes. Mit dem Aufbrechen des Bürgerkrieges im April 2023 ist er jedoch mit brutaler Härte von neuem losgebrochen. In dem Bürgerkrieg kämpft die RSF unter dem ehemaligen Dschandschawid Hemeti gegen die Regierung unter Präsident al-Burhan.
Doch in dem Krieg mischen mittlerweile auch externe Akteure mit: die Golfstaaten, Ägypten, die Türkei, aber auch China und Russland unterstützen direkt oder indirekt eine der beiden Kriegsparteien und halten die Gewalt so am Laufen.
Aufnahmen aus der Region:
Große Not, Flucht und Vertreibung
Im gesamten Sudan sind laut Vereinten Nationen rund 13 Millionen Menschen auf der Flucht, etwa 30 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. In Teilen Darfurs wurde eine Hungersnot festgestellt. Fast alle Schulen sind aufgrund der Kampfhandlungen geschlossen und auch die medizinischen Versorgungszentren können kaum noch ihre Arbeit leisten.
Die meisten der Menschen auf der Flucht fliehen vor den Gewalthotspots von Ort zu Ort im Land und werden immer wieder von neuem vertrieben. Auch die Geflüchtetencamps bieten ihnen keine Sicherheit. Deshalb fliehen immer mehr Menschen ins Nachbarland Tschad.
Hier haben seit Ausbruch des Bürgerkrieges rund 900.000 Sudanesinnen und Sudanesen Zuflucht gefunden. Bereits nach 2003 waren etwa 400.000 Menschen gekommen und sind bis heute geblieben.
Die meisten von ihnen leben in der Halbwüste direkt hinter der Grenze in Camps, die von den Vereinten Nationen errichtet wurden. Ihre Unterkünfte bestehen meist aus einfachen Zelten oder selbstgebauten Hütten aus dürren Ästen und Plastikplanen. Die Versorgungslage ist katastrophal. Zugleich bietet die fast menschenfeindliche Natur kaum Möglichkeiten der Selbstversorgung.
Projektort Tiné
Der Ort Tiné-Tschad ist kein typischer solcher Ort. Vor 25 Jahren war er noch ein kleiner Grenzposten mit wenigen hundert Menschen und hat sich bis heute zu einer Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern entwickelt. Viele sind Vertriebene aus Darfur, die schon seit vielen Jahren hier leben. Aber es kamen auch Leute aus anderen Gegenden des Tschad und anderen afrikanischen Ländern. Denn die Flucht- und Versorgungsökonomie hat Tiné zu einem lebendigen Ort mit großem Markt, Handel und wirtschaftlichen Möglichkeiten entwickelt. Auf der anderen Seite der Grenze, nur durch einen Wadi getrennt, liegt die Bruder-Stadt, Tiné-Sudan in West-Darfur.
Jeden Tag kommen in Tiné weitere Geflüchtete aus Darfur an. Sie kommen entweder bei Verwandten unter oder im Transitcamp in Tiné, wo sie einige Wochen verbringen, um dann in eines der offiziellen Camps in der Umgebung gebracht werden.

Die Kefah-Schule
Die Kefah-Schule des Vereins Darfur-Hilfe wurde bereits 2004 gegründet. Aus den anfangs zwei Klassenräumen sind heute 17 geworden. Rund 1.200 Schülerinnen und Schüler werden hier in der Grundschule (Klasse 1 bis 6) sowie der Sekundarstufe (Klasse 7-9) unterrichtet. Auch einen Kindergarten gibt es.
Manche der Klassenräume sind sehr provisorischer Natur: Wände aus Ästen und Plastikplanen mit Strohdach. Andere feste Klassenräume sind in ihrer Bausubstanz stark angegriffen. Insgesamt reicht der Platz aber schon lange nicht mehr aus. In den meisten Klassen werden 80 Kinder gleichzeitig unterrichtet.
Das Grünhelme-Projekt
Bei unserer Projektreise im April haben wir gemeinsam mit der Schulleitung und der Darfur-Hilfe besprochen, in einem ersten Schritt sechs neue Klassenzimmer, zwei Räume für den Kindergarten sowie neue Sanitäranlagen zu bauen. Auch die örtliche Schulbehörde ist eingebunden, auch wenn die Schule nicht in ihrem Verantwortungsbereich liegt, da sie nach sudanesischem Lehrplan arbeitet.
Die Stadtverwaltung hat bereits die Genehmigungen erteilt, sodass es Mitte Dezember mit dem Bau losgehen kann.
Wie in all unseren Projekten möchten wir auch in Tiné die Schulcommunity eng einbinden: Die Eltern der Kinder sollen mit uns gemeinsam die neuen Räume für ihre Kinder bauen.
Die Umsetzung dieses Projektes liegt uns besonders am Herzen, denn Darfur ist wahrlich einer der Brennpunkte der Welt, der leider viel zu wenig Beachtung findet oder schnell wieder vergessen wird.
Wir sind für jede Unterstützung sehr dankbar!





