Syrische Schule erstrahlt in neuem Glanz

Nach drei Monaten Bauzeit sind die Kriegsschäden an der Mittelschule von Buwaydah beseitigt. Mehr als 300 Kinder können hier wieder zur Schule gehen. An der nächsten Sanierung arbeiten wir bereits.

Die Fassade erstrahlt wieder: die Mittelschule in Buwaydah

Nicht nur von außen erstrahlt sie wieder: die Mittelschule in Buwaydah

Von Simon Bethlehem

Bonn, 19. August 2025 – Trostlos sah sie aus, die Abd al-Kader Bakkar-Schule im syrischen Buwaydah, als wir sie Silvester das erste Mal zu Gesicht bekamen: Ein grauer Klotz, Steine aus der Fassade gebrochen, sämtliche Kabel sowie Türen und Fenster herausgerissen, Einschusslöcher im Putz und eine Granate hatte ein großes Loch ins Dach gerissen. Immerhin stand sie noch und war in ihrer Substanz zu retten.

Kurz zuvor war Syrien vom Terrorregime Baschar al-Assads befreit worden – auch nach Buwaydah im Westen Syriens, zwischen Homs und Al-Qusseir gelegen, waren Geflüchtete zurückgekehrt.

Zurück zu Hause – und dann?

Doch Rückkehr bedeutet mehr als nur wieder Zuhause zu sein. Die Menschen brauchen Arbeit, um das Geld für den Wiederaufbau ihrer Häuser zu verdienen und sie brauchen eine Perspektive. Die Antwort auf die Frage, was am dringendsten benötigt wurde, lautete von vielen Menschen in Buwaydah: Schulbänke und mehr Platz für den Unterricht! Gesagt getan: Im Februar begann unser lokales Team die ersten Schulbänke für die Grundschule zu schweißen.

Ab April startete die Renovierung der Mittelschule. Kaputte Wände zumauern, verputzen und streichen, Löcher im Dach ausbetonieren, Elektrik erneuern, Türen und Fenster bauen und einbauen, Fußboden ausbessern, Sanitärräume neu fliesen, Wasseranschluss herstellen, die Fassade neu streichen – und natürlich neue Schulmöbel bauen.

Zwölf Klassenräume und zwei Lehrerzimmer strahlen nun in neuem Glanz. 340 Kinder werden hier zum neuen Schuljahr ab September zur Schule gehen können. Unser Bauteam um Abu Feyrous, unser Mitarbeiter und Freund, mit dem wir schon viele Jahre im libanesischen Aarsal zusammengearbeitet haben, hat tolle Arbeit geleistet! Viele aus dem Team schicken nun ihre eigenen Kinder auf die Schule, die sie wiederaufgebaut haben.

Vorher-Nachher-Bilder der Schule

Die neue Schule wird als Leuchtturm wahrgenommen. Direkt an der Verbindungsstraße zwischen Homs und Al-Qusseir gelegen fällt sie direkt ins Auge. Immer wieder halten Leute an und fragen, wer diese Schule wieder aufbaut und ob dies auch in ihrem Dorf möglich sei.

Wiederaufbau in Syrien stockt

Direkt nach der Befreiung Syriens sind unzählige Hilfsorganisationen ins Land geströmt. Alle wollten sich, nach fast vierzehn Jahren Bürgerkrieg, ein Bild vom Land machen. Der Wiederaufbau sollte so schnell wie möglich angegangen werden – doch passiert ist seither wenig. Die USA und andere Länder haben ihre Mittel für Entwicklungszusammenarbeit deutlich gekürzt, dazu gestalteten die zunächst noch bestehenden Sanktionen gegen Syrien die internationale Unterstützung schwierig.  Erst Anfang Juli hob Präsident Trump die US-Sanktionen vollständig auf.

Hilfsorganisationen haben Zusagen für einzelne Wiederaufbauprojekte gegeben, doch angefangen oder gar abgeschlossen wurde bisher kaum ein Projekt. In Buwaydah sollte unser zweites Projekt eigentlich der Wiederaufbau des Ärztehauses werden, doch die UN haben das Ärztehaus mit in ihre Wiederaufbauliste aufgenommen, wie uns die Koordinationsstelle für Wiederaufbau in Homs mitteilte. Wann es damit losgehen wird, ist wegen organisatorischer Schwierigkeiten und der chronischen Unterfinanzierung der UN jedoch völlig unklar.

Wir haben angeboten, einzuspringen, weil wir sofort starten könnten. Doch das lehnte die Koordinationsstelle ab – um die einmal erteilte Zusage an die UN für das Projekt nicht zu unterlaufen. So bleibt unklar, wann und ob Buwaydah ein neues Ärztehaus erhält.

Bilder von den Renovierungsarbeiten

An der nächsten Schule wird schon gebaut

Wir haben uns nun eine Alternative gesucht: wieder eine Schule, diesmal in Sallumiya, etwa 10 Kilometer nordwestlich von Buwaydah. Auch an dieser Schule hat der Krieg deutlich seine Spuren hinterlassen, sodass sie aktuell nicht nutzbar ist. Ähnlich wie in Buwaydah ist von dem zweistöckigen Gebäude nur die Substanz geblieben, sodass auch hier alles bis auf das Grundgerüst erneuert werden muss.

Seit Mitte Juli wird nun auch hier Schutt weggeschafft, gemauert, betoniert und verputzt. Die Schule mit ihren zehn Klassenräumen soll künftig die Grund- und Mittelschule, also die Klassenstufen 1-10, umfassen. Mit dabei ist auch wieder unser Bauteam um Abu Feyrous. Um bis zum Start des neuen Schuljahrs im September fertig zu sein, ist noch einiges zu tun.

In den Ort Sallumiya kehren die Menschen erst nach und nach zurück. Die Wiedereröffnung der Schule soll auch ein Anreiz sein, ein Zeichen, dass hier wieder etwas entsteht, auf dem aufgebaut werden kann – und so auch ein Fünkchen Hoffnung spenden.

Am Wiederaufbau entscheidet sich die Zukunft Syriens

Mit dem Wiederaufbau steht und fällt die Zukunft Syriens. Wenn hier im nächsten halben Jahr nicht deutliche Fortschritte erzielt werden, wird die Unzufriedenheit der Syrer*innen steigen und das labile Konstrukt der sich gerade erst etablierenden Staatlichkeit droht zu zerfallen.

Wir Grünhelme können nur einen kleinen Beitrag leisten. Wir sehen aber in Buwaydah, dass eine renovierte Schule ein Symbol des Aufbruchs sein kann! Sie gibt vielen Menschen Mut – für eine bessere Zukunft. Genau das möchten wir, mit Ihrer Unterstützung, weiterführen.

Mehr über unsere Arbeit in Syrien:

2025-08-19T18:13:43+02:00

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