Die Junior Secondary School in Yarawadu ist fertig. Der Bauprozess zeigt, warum Community-Projekte manchmal länger dauern – und warum wir uns trotzdem dafür entscheiden.
Von Tobias Lange, Projektleiter Sierra Leone
Yarawadu, 31.07.2025 – Ganz im Südosten Sierra Leones, in Sichtweite zur Grenze mit Guinea, liegt das Dorf Yarawadu. Hier haben wir in einer Bauzeit von neun Monaten eine Junior Secondary School (JSS) gebaut.
Wenn andere Prioritäten locken
Wie so oft in unserer Arbeit ist das Projekt sehr gut gestartet, mit viel Engagement der Gemeinde und motivierten Arbeitern. Nach mehreren Monaten Bauzeit ließ das Interesse dann stetig nach, was uns diesmal vor eine größere Herausforderung gestellt hat.
Als die Regenzeit vorbei war, verschwanden nach und nach unsere Arbeiter und Helfer. Zu groß ist die Verlockung, auf der anderen Seite der Grenze nach Gold zu graben und eventuell mit einem neuen Motorrad und genug Geld wieder nach Hause zu kommen. Viele bleiben mehrere Jahre, und wir blieben zurück mit einem kleinen Team, was die Bauzeit erheblich verzögert hat.
Warum wir trotzdem keine höheren Löhne zahlen
Man könnte jetzt fragen, warum die Grünhelme nicht einfach höhere Löhne bezahlen, damit die Arbeiter bleiben und wir schneller fertig werden. Unsere Antwort darauf ist, dass wir viele unserer Projekte als Community-Projekte realisieren. Höhere externe Löhne würden den lokalen Arbeitsmarkt verzerren und Abhängigkeiten schaffen. Stattdessen kommen wir der Geschwindigkeit und Mentalität der Dorfgemeinschaft entgegen.
Empowerment bedeutet auch, Verantwortung abzugeben und die Dorfgemeinschaft in die Eigenverantwortung zu nehmen, damit sie eigene Lösungen findet. Diese Herangehensweise führt zu nachhaltigen Ergebnissen, auch wenn der Weg manchmal länger dauert.
Erfolgreicher Abschluss
So konnte auch die Schule in Yarawadu am Ende fertiggestellt werden.
Die neue Schulanlage besteht aus drei Gebäuden: Das Schulgebäude mit drei Klassenräumen für die Stufen 7-9, ein Gebäude mit Lehrerzimmer und ein weiteres mit vier Lehrerunterkünften – ein wesentlicher Baustein für beständigen und verlässlichen Unterricht in der Region.
Im kommenden Schuljahr können hier die Absolventen der Grundschule aus Yarawadu und den umliegenden Dörfern zur weiterführenden Schule gehen. Für die Jugendlichen der Region ergeben sich dadurch kürzere Schulwege und bessere Bildungschancen.
Erstmals SSB-Steine in Sierra Leone
Auch in Sierra Leone haben wir im letzten Jahr damit begonnen, mit SSB-Steinen zu bauen, was ein großer Erfolg geworden ist, wie man auf den Bildern erkennen kann (mehr zur Technik hier). Die Bautechnik wurde von der Bevölkerung so gut angenommen, dass sich der Paramount Chief eine Steinpresse gekauft hat, damit die Gemeinde in Zukunft ihre Steine selbst pressen kann.
Danke
Unser Dank gilt der Gemeinde von Yarawadu, allen lokalen Arbeitern, dem Paramount Chief sowie allen Freiwilligen und Spenderinnen und Spendern, die dieses wichtige Bildungsprojekt ermöglicht haben.
Die Grünhelme sind seit 2018 in Sierra Leone aktiv und fokussieren sich bewusst auf den ländlichen Raum. Bisher sind sechs Schulen und vier Gesundheitsstationen entstanden.
Weitere Projekte in Sierra Leone
Gesundheitsversorgung – next level
Im Nordosten Sierra Leones beginnen wir nun mit dem Bau einer Krankenschwestern-Schule. Die Absolventinnen sollen künftig im ländlichen Bereich eingesetzt werden und so die dortige Gesundheitsversorgung verbessern – auch in „unseren“ vier Gesundheitsstationen.
Vierte Gesundheitsstation stärkt medizinische Versorgung im Falaba-Distrikt
Seit Anfang August gibt es in Durukoro, einem abgelegenen Dorf im Nordosten Sierra Leones, eine neue Gesundheitsstation – die vierte im Falaba-Distrikt. Damit kommen wir dem Ziel der sierra-leonischen Gesundheitsbehörde, allen Menschen innerhalb von zehn Kilometern medizinische Versorgung zu ermöglichen, einen wichtigen Schritt näher.
Warum unsere Projekte manchmal mehr Zeit brauchen
Die Junior Secondary School in Yarawadu ist fertig. Der Bauprozess zeigt, warum Community-Projekte manchmal länger dauern – und warum wir uns trotzdem dafür entscheiden.
Bauen mit Soil Stabilized Blocks
In unseren Projekten in Malawi und Sierra Leone stehen wir immer wieder vor der gleichen Herausforderung: Wie können wir langlebige und funktionale Gebäude auf möglichst umweltschonende Weise errichten? Die Antwort führte uns zu einer Bautechnik, die traditionelle Lehmbauweise mit zeitgemäßer Verarbeitungstechnik verbindet: Soil Stabilized Blocks (SSB).















